Unter Bullpup (Englisch „junge Bulldogge“) versteht man eine Bauart insbesondere für Sturmgewehre (aber auch Scharfschützengewehre und Maschinenpistolen), bei dem sich im Gegensatz zum herkömmlichen Konzept Verschluss und Magazin hinter dem Griffstück, also in der Schulterstütze, befinden. Dadurch wird die volle Länge der Waffe effizient genutzt; man kann entweder eine insgesamt kürzere Waffe bauen, was für Einsätze in beengten Räumen (Häuserkampf) vorteilhaft ist, oder es lässt sich eine Waffe üblicher Länge verwirklichen, die über einen deutlich längeren Lauf verfügt und somit treffsicherer ist.

Vor- und Nachteile

Die Bullpup Bauart ist zweifelsohne innovativ und mutet futuristisch an, doch es ist nicht unumstritten, ob seine Vorteile auch im harten praktischen Einsatz überwiegen. Befürworter der herkömmlichen Bauart argumentieren, dass die wesentlichen Vorteile des Bullpup-Designs auch durch eine einziehbare oder wegklappbare Schulterstütze erreicht werden können. Deswegen werden auch weiterhin Langwaffen in der herkömmlichen Bauart entwickelt.

Der größte Nachteil der Bullpup-Bauweise ist das Problem von Rechts- und Linksschützen. Da die Patronenhülsen meist auf der rechten Seite unmittelbar auf Höhe der Wange ausgeworfen werden, kann die Waffe nicht von der linken Schulter (wichtig im Häuserkampf) abgefeuert werden, ohne dass der Schütze von der glühend heißen Patronenhülse mit erheblicher Wucht im Gesicht getroffen wird. Dieses Problem wird meistens gelöst, indem man Manipulationen am Hülsenauswurffenster und/oder am Verschluss vornimmt und so die Seite bestimmt, auf der die Hülsen ausgeworfen werden. Dieses Verfahren kann jedoch wertvolle Zeit kosten. Viel besser hat der belgische Hersteller Fabrique Nationale (FN) dieses Problem in seinem Sturmgewehr F2000 gelöst, das die leeren Hülsen erst nach vorne schiebt und nahe der Mündung auswirft. Die Maschinenpistole P90 des gleichen Herstellers wirft ihre Hülsen durch das hohle Griffstück nach unten aus.

Geschichte

Die erste bekannte, vollwertige Bullpup-Waffe war der britische Thorneycroft-Karabiner aus dem Jahr 1901. Die Waffe hatte deutliche Vorteile bei der Gesamt- und Lauflänge gegenüber dem Konkurrenzgewehr Lee-Enfield, besaß jedoch ein internes (also nicht abnehmbares) Magazin mit der halben Kapazität, was wohl einer der Gründe für die Ablehnung des Thorneycroft war. In den Jahren des Zweiten Weltkrieges taucht das Bullpup-Schema in Form der tschechischen Panzerbüchse MSS-41 auf. Das erste Bullpup-Sturmgewehr wurde 1943 vom Briten Stanley Thorpe entwickelt. Zu weiteren frühen militärischen Bullpups zählt das russische TKB-408 aus dem Jahr 1946, dicht gefolgt von britischen Nachkriegsprototypen Enfield EM-1 und EM-2, beides Gasdrucklader mit experimentellem Kaliber und optischer Zielvorichtung.

 

Thorneycroft

Groß Britanien

 

Steyr - Mannlicher
Österreich

AUG

 

Steyr - Mannlicher
Österreich

ACR

"Prototyp"

 

Vektor
Südafrika

CR 21

 

Manufacture a'Arms de St. Etienne
Frankreich

FA-MAS

 

Fabrique Nationale (FN) Hestral
Belgien

F2000

 

 

Fabrique Nationale (FN)
Belgien

P90

 

Heckler und Koch
Deutschland

G11

"Prototyp"

 

Royal Ordnance
Großbritannien

SA80

 

Singapore Technologies Kinetics
Singapur

SAR 21

 

Unbekannt

Rußland

SVU

 

 

Israeli Military Industries (IMI)
Israel

Tavor

 

Unbekannt
China

T86